1000 Jugendliche bei der Bildungsmesse der Schönbuchlichtung

Artikel aus der Kreiszeitung/Böblinger Bote vom 22. Oktober 2018


Zum 13. Mal fand die Interkommunale Bildungsmesse der Schönbuchlichtung (IBIS) statt. In der Stadthalle Holzgerlingen zeigten sich rund 50 Ausbildungsstätten und Institutionen. Jugendliche und ihre Eltern konnten sich über verschiedene Möglichkeiten informieren, wie es für sie nach der Schule weitergehen könnte.

HOLZGERLINGEN. Handwerksberufe wie Schreiner, Friseur, Maler oder Glaser waren genauso vertreten wie Berufsschulen aus dem Landkreis. Auch Betriebe und Krankenhäuser, Polizei und Konzerne wie Daimler oder Eisenmann präsentierten sich an Info-Ständen oder mit Vorträgen. Die Bildungsmesse wird von den Schönbuchgemeinden in Kooperation mit der Waldhaus-Jugendhilfe organisiert.

Informationen in Hülle und Fülle: Uli Schleh von der Agentur für Arbeit verteilte Broschüren, in denen die Jugendlichen verschiedene Berufe aufgelistet fanden und wo sie ausgebildet werden im Landkreis Böblingen. Schleh war es ein Anliegen, die Jugendlichen bei der Messe kennenzulernen und mit den Betrieben in Kontakt zu bleiben: "Hier sind alle Akteure, mit denen wir zu tun haben, auf einem Haufen – das ist klasse. Ich verspüre viel Interesse. Die Jugendlichen müssten sonst arg weit laufen, um so viel Infos zu bekommen wie hier."


Vielleicht zur Polizei? Die drei Freundinnen Tina, Anja und Alyasia gehen in die 9. Klasse der Oskar-Schwenk-Schule in Waldenbuch. "Ich dachte ich werde mal Erzieherin oder Süßwarentechnologin", erzählte Tina. "Aber hier gibt es so viele spannende Berufe. Da kann ich mir auch die Polizei anschauen." Alyasia freute sich, dass sie "sich hier so vielfältig informieren kann." Für Anja waren es zwar zu viele Stände auf zu wenig Raum, aber: "Man bekommt viele Infos, das ist echt gut."


Handwerk präsent: Am Stand der Glaser-Innung nagelte Sergii einen Bilderrahmen zusammen, schnitt Glas dafür zurecht und passt es an. Dem 15-jährigen fehlte allerdings das Wissenschaftliche: "Wäre schön, wenn man sich auch über ein Theologiestudium informieren könnte", sagte er. Jochen Burkhardt von der Glaser-Innung möchte gerne den Beruf des Glasers in den Fokus rücken: "Weil er noch nicht so bekannt ist und das Handwerk es schwer hat."


Keine Angst vor Chemie: Ebenfalls schwer ist es für die Firma CHT neue Auszubildende zu finden. Matthias Zur macht dort gerade selbst eine Ausbildung zum Chemikant: "Ich möchte den Schülern die Angst vor der Chemie nehmen. Ich versuche die Skepsis gegenüber diesem Beruf abzubauen und für Chemie zu begeistern", erzählt er. Ein paar Jugendliche konnte er gewinnen: "Sie möchten nun ein Praktikum bei uns machen", strahlte er. So ging es auch Louis Rebmann am Stand der Schreiner-Innung: "Viele engagierte junge Leute sind heute hier und fragen nach Praktikumsstellen."


Neugierige Eltern und Jugendliche: In der Stadthalle plapperten muntere, gut gelaunte Schüler und wuselten von Stand zu Stand. Zum Teil waren sie mit ihren Eltern da. Dagmar Radler erzählte: "Die Messe wird jedes Jahr vorwiegend gut angenommen. Manchmal kommen die Jugendlichen mit so 'nem Gesicht rein, weil sie keine Lust haben, aber am Ende gehen sie gut gelaunt raus und sagen: ,War ja doch interessant!'", berichtete die Schulsozialarbeiterin in Holzgerlingen, "wir möchten, dass Jugendliche sich hier gut informieren können über die verschiedenen Möglichkeiten, die es gibt."


Für jeden was dabei: Tim, der in Holzgerlingen in die neunte Klasse geht, löcherte einen Polizisten. Gern will er selbst Polizist werden: "Ich möchte helfen, dass es mehr Gerechtigkeit gibt", so seine Motivation. Silas ist mit seiner Mutter Sabine Scheeg gekommen. Er ist in der 9. Klasse der Realschule in Weil im Schönbuch: "Mich interessiert das Handwerk: Schreiner, Metall, Mechatronik und hier kann ich Einblicke in Firmen bekommen, die ich noch nicht auf dem Schirm hatte." Mutter Scheeg fand: "Das Angebot ist tip-top. Toll organisiert, da ist für jeden was dabei und die Beratung ist auch sehr ordentlich."


Ausbildungsbörse für alle: Neu war, dass die IBIS dieses Jahr an der Aktion des Landkreises "Ausbildungsbörse für alle" teilnahm und sich so für ausbildungsfähige Menschen mit Behinderung öffnete. "Mir war es immer schon ein Anliegen, schwerbehinderte Jugendliche auszubilden", betonte die Schwerbehinderten-Vertreterin des Landratsamtes, "es macht Sinn für sie, schon in der Ausbildung in die normale Arbeitswelt einzusteigen und nicht erst danach – aber das ist nicht so einfach."


Mehr Firmen gesucht: Deswegen ist auch der kommunale Behindertenbeauftragte des Landkreises, Reinhard Hackl, mit im Boot. "Wir tun den Menschen, den Firmen und den Sozialkassen was Gutes", sagte er. Vier Firmen machten mit, aber es sollen mehr werden: "Es ist viel Aufklärungsarbeit notwendig. Entscheidend ist, dass die Betriebe Bereitschaft zeigen, den Menschen zu sehen und individuell auf ihn zugehen", so Hackl. Michaela Brandl ist Akademie-Pflegepädagogin im Klinikverbund Südwest und möchten zeigen: "Auch in einem Krankenhaus kann man mit Beeinträchtigung arbeiten."

Von Mareike Andert